Nostalgia Quelle: © Sven P. Fritsch / PIXELIO

1802/03-1816 gehörte die Stadt Werl und das Amt Werl zur Landgrafschaft (ab 1806 Großherzogtum) Hessen-Darmstadt. 1816 wird Werl preußisch (Königreich Preußen). 1812 wird das "Justizamt Werl" gegründet, Justizamtmann wurde der frühere kurkölnische Richter des ehemaligen weltlichen kurkölnischen Land- und Stadtgerichts Werk, Liz. jur. Caspar Floret (1748-1817), Gerichtslokal war im Rathaus neben der Pfarrkirche Sankt Walburga. Das Justizamt Werl wird 1838 durch ein Land- und Stadtgericht Werl abgelöst. Um 1840 wurde das heutige Gerichtsgebäude errichtet und um 1910 durch einen Anbau erweitert.

 

Klassizistischer neunachsiger Bau:
Typ des Gerichtsgebäudes im Regierungsbezirk Arnsberg, der nach der Installation der preußischen Bezirksregierung der damaligen Zeit charakteristisch war. Das gesamte Gebäude steht seit dem 22.03.1984 unter "Denkmalschutz". Einrichtung einer Kreis-Gerichtskommission Werl erfolgte am 02.01.1849. Das Amtsgericht Werl wurde mit 2 Richtern (heute 5 Richter) am 01.10.1879 gegründet. Zwischen 1933-1945/47 bestand innerhalb der Amtsgerichts Werl ein sogenannten "Anerbengericht Werl", zuständig für die sogenannten "Erbhöfe" nach den Gesetzten der NS-Zeit.

 

Werler Besonderheiten

Seit dem Mittelalter gab es in Werl ein sogenanntes "Salzgericht" der Werl Erbsälzer-Genossenschaft. Dies war räumlich nur für die Salinenbezirke zuständig. Bezüglich der Salinen-Beschäftigten hat es die niedere Strafgerichtsbarkeit. Die adeligen Erbsälzerfamilien und deren Beschäftigte konnten ihre freiwillige Gerichtsbarkeit (z.B. Erb- und Vormundschaftssachen) vor dem Salzplatzgericht erledigen. Dieses Gericht hatte einen den Patrimonial (Guts-Gerichten) vergleichbaren Status und wurde mit diesen Gesetz von 1848 aufgehoben.

Das bürgerliche Leben in Werl war durch das sogenannte Statutkurrecht von 1324 geregelt. Nach 1835-36 hielt sich das preußische Justizamt Werl an §§ des Werler Statutkurrechtes von 1324. Zwischen 1478- vor 1483 kann das westfälische Offizialamtsgericht von Arnsberg ( vorher in Soest) nach Werl. Es war für das gesamte ehemalige kurkölnische Herzogtum Westfalen zuständig. Ursprünglich ein rein kirchliches Gericht, zog es immer mehr "weltliche Fälle" an sich. Der Erzbischof von Köln war bis 1802 über Werl und das Amt Werl nicht nur geistlicher Landesherr als Führsterzbischof, sondern zugleich auch in seiner Eigenschaft als Herzog von Westfalen weltlicher Landesherr als geistlicher Kurfürst. Die Prozesse wurden durch Schriftsätze von Prokuratoren ( = Anwälte) der Parteien "nach Aktenlage" geführt. Lediglich das Schlussurteil wurde im noch vorhandenen Gerichtsstuhl des Offizialates bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts in den Propsteikirche (Sankt Walburga) verlesen. Mit dem Ende des Kurstaates 1802/03 erlosch das Offizialamtsgericht Werl, zumindest verlor es seine weltliche Kompetenz.